Der Frühling und die Veränderung

Den Text für den Mai-Impuls schreibe ich im April, während schon alles in voller Blüte steht.
Ich erinnere mich an meine Grundschulzeit, als wir im Deutschunterricht eine Bildergeschichte schreiben sollten. Ich sehe sogar noch die Bilder vor mir: Es ging um einen Fliederdieb, der sich von einem Strauch Blüten holte für den Muttertags-Flieder-Strauß.
Der Flieder blühte einstmals immer zum Muttertag.
Die Klimaveränderung rückt vieles in den April, was z.B. die wunderschönen alten Maienlieder besingen („Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün“)
Ja – nichts ist mehr wie es war.
Das gilt nicht nur fürs Klima, sondern für vieles in unserem Leben.
Und wenn wir ehrlich sind, gehört das zum Prinzip Leben, dass nichts so ist, wie es war.
Wir sind heute Morgen eine andere als gestern Abend. Zumindest haben unsere Zellteilungen fleißige Arbeit geleistet und uns unmerklich verändert.
Wir sind auch nicht mehr dieselbe als die, die wir vor zehn Jahren waren – das fällt uns auf, wenn wir in den Spiegel schauen.
Warum ängstigt es uns dann so, dass sich vieles verändert und so vieles nicht mehr ist, wie es war?
Vielleicht, weil es nicht so langsam und nachvollziehbar voranschreitet, wie es für uns erträglich ist, sondern weil zu vieles zu schnell sich verändert und uns unsicher zurücklässt.
Weil die Zumutungen der „multiplen Krisen“, von denen wir dauernd hören, mehr sind, als wir aushalten.
Nicht wenige reagieren mit dem Rückzug ins Private, dem sogenannten „Cocooning“ – sich also verpuppen wie eine Raupe. Wir machen es uns heimelig und fühlen uns in unserem Nest wohl.
Das ist verständlich, und bis zu einem gewissen Grad ist dagegen auch nichts einzuwenden. Schwierig wird es, wenn wir dabei wirklich so eingesponnen sind, dass wir nicht mehr nach „draußen“ sehen.
Da kann der Frauenbund eine Möglichkeit sein, das Nest zu verlassen: Der KDFB schafft ein Gefühl des Zuhauses, des Sich-Wohl-Fühlens, kann aber auch über den Tellerrand blicken und ermöglichen, gestalten zu können.
Unserer Delegiertenversammlung am 25. April führte eindrücklich vor, wie das gehen kann.
Es gab Spirituelles, eine überzeugende, mitreißende Referentin, Anträge, die sich einmischen in die Politik und mitgestalten wollen. Und Frauen, die sich zur Wahl stellten für ein forderndes, aber auch bereicherndes Vorstandsamt.
Im Hintergrund Frauen, die ihre Kunstwerke und Handarbeitserträge anboten, ein köstliches Küchenbuffet sowie eine Kunstinstallation, die auf das Problem der Gewalt an Frauen aufmerksam machte.
Wow – diese ganze Vielfalt, die uns Frauen ausmacht, die wir im Verband erleben und leben können – das ist doch wirklich toll! Und kann frau dankbar machen.
Wir engagierten Frauen können so bunt und verschwenderisch schön sein wie die Natur im Mai – was für ein Reichtum!
Tanja Kemper, Bildungsreferentin im Diözesanverband
